Psychotherapie in Brandenburg: steigende Nachfrage trifft auf demografisches Risiko Oeynhausen: GKV-Reform darf die Versorgung gerade im ländlichen Raum nicht gefährden

Die Inanspruchnahme psychotherapeutischer Leistungen in Brandenburg ist seit 2018 deutlich gestiegen. Das geht aus der Antwort der Landesregierung auf die Kleine Anfrage der Landtagsabgeordneten Dr. Daniela Oeynhausen hervor. Zwar besteht nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB) aktuell in keinem Planungsbereich eine Unterversorgung oder drohende Unterversorgung. Die Zahlen zeigen jedoch eine deutlich steigende Belastung der vorhandenen Versorgungskapazitäten.
Zwischen 2018 und 2025 stieg die Zahl der Behandlungsfälle von rund 131.100 auf 192.300. Das entspricht einem Zuwachs von 46,7 Prozent. Die ausgewiesenen Behandlungsstunden erhöhten sich im gleichen Zeitraum von rund 670.400 auf 898.400 Stunden, ein Plus von 34 Prozent. Die psychotherapeutische Versorgungskapazität, gemessen an den Anrechnungsfaktoren der KVBB, wuchs dagegen lediglich um 22,7 Prozent von 447,75 auf 549,25.
Damit steigt auch die Zahl der Fälle, die durchschnittlich von einem vollzeittätigen Psychotherapeuten behandelt werden. Sie nahm von 273 Fällen im Jahr 2018 auf 312 Fälle im Jahr 2025 zu – ein Anstieg um rund 14 Prozent. Besonders auffällig ist die jüngste Entwicklung: Von 2024 auf 2025 sank die Versorgungskapazität um rund 1,4 Prozent, während die Zahl der Behandlungsfälle nochmals um rund 2,2 Prozent zunahm. Die Behandlungsstunden stagnierten nahezu.
Nach Angaben der KVBB führt allein die Absenkung der Bewertung verschiedener psychotherapeutischer Leistungen um 4,5 Prozent zu Mindereinnahmen von ca. 1,1 Millionen Euro pro Jahr. Für einen vollzeittätigen Psychotherapeuten entspricht dies durchschnittlich etwa 4.800 Euro jährlich. Darüber hinaus wurden 2025 ca. 2,3 Millionen Euro an Zuschlägen für Kurzzeittherapien sowie rund 46.000 Euro an TSS-Zuschlägen vergütet. Wie hoch die zusätzlichen Einbußen durch die Rückführung extrabudgetärer Leistungen in die Budgetierung und den Wegfall weiterer Vergütungsregelungen ausfallen werden, konnte die Landesregierung nicht beziffern.
Ärztliche Psychotherapeuten und Psychosomatiker sind in Brandenburg im Jahr 2025 durchschnittlich etwa 60 Jahre alt. Diese beiden ärztlichen Gruppen machen zusammen etwa 15,4 Prozent der psychotherapeutischen Versorgungskapazität aus. 2018 lag ihr Anteil noch bei rund 19,5 Prozent. D. h., durch Berentung könnten in Zukunft Versorgungsengpässe entstehen.
Die Landesregierung selbst räumt ein, dass nicht ausgeschlossen werden könne, dass Praxisinhaber infolge des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz ihre Zulassung beenden – insbesondere solche, die älter als 60 Jahre sind. Aktuell verzeichnet die KVBB allerdings weiterhin ein hohes Bewerberaufkommen auf freiwerdende psychotherapeutische Versorgungsaufträge.
Dr. Daniela Oeynhausen, gesundheitspolitische Sprecherin der AfD-Fraktion im Landtag Brandenburg, warnt:
„Die Zahlen zeigen, dass Brandenburg vorsorgen muss. Zwar ist die Versorgung heute noch stabil. Doch durch steigende Fallzahlen, altersbedingte Praxisaufgaben und drohende Honorareinbußen durch die Krankenkassenreform kann die Situation in wenigen Jahren kippen. Die Landesregierung muss verhindern, dass auf den Ärztemangel die nächste Versorgungslücke folgt – diesmal bei den Psychotherapeuten.“
Die steigende Nachfrage nach Psychotherapie ist ein bundesweiter Trend – in Brandenburg fällt der Anstieg jedoch besonders stark aus. Während die Zahl der psychotherapeutischen Behandlungsfälle bundesweit von 2018 bis 2023 um rund 22 Prozent zunahm, waren es in Brandenburg rund 35 Prozent. Noch auffälliger: Seit 2001 hat sich die psychotherapeutische Versorgungskapazität in Brandenburg mehr als vervierfacht: Die Zahl der Anrechnungsfaktoren stieg von 134,6 auf 549,25 – ein Plus von rund 308 Prozent.
Dazu Oeynhausen:
„Immer mehr Brandenburger nehmen psychotherapeutische Hilfe in Anspruch. Die Behandlungsfälle steigen bei uns deutlich stärker als im Bundesdurchschnitt. Die Landesregierung muss klären, warum Brandenburg so stark betroffen ist.“